Lippenpiercing

Piercings im Mundbereich

Hier kurz alle Arten von Piercings, die in der Regel als Lippenpiercing genutzt werden:


Das Lippenpiercing

Labret

Hierbei handelt es sich um Piercings im Bereich der Lippe (lateinisch: labrum). Es hat eine lange Tradition bei Ethnien in Afrika, Asien und Lateinamerika, bei denen geweitete Lippenstecker verwendet wurden, um die Frauen des eigenen Stammes für die Männer der Nachbarstämme unattraktiv zu machen. Später wurde das zum Schönheitsideal. Bei einigen Völkern Afrikas wird noch heute bei Frauen die Unterlippe geweitet, um einen Lippenteller einzusetzen – neben religiösen Gründen zeigt der Mann damit seine Besitzansprüche an. Zum Einsatz kommen spezielle Labret-Stecker mit unterschiedlichen Längen und Durchmessern, auf die Kugeln oder andere Schmuckstücke aufgeschraubt werden können. Auch ein Ball Closure Ring oder ein Circular Barbell können eingesetzt werden. Als Material empfiehlt sich PTFE, da es die Zahnsubstanz nicht so stark schädigt. Die Heilungsdauer beträgt 1 bis 2 Monate.

Variationen: Lowbret (eine Platzierung des Piercings weit unten nahe der Zahnwurzel), Vertical Lowbret (der Kanal wird vertikal gestochen und tritt an der unteren Kieferkante heraus; auch über beide Seiten symmetrisch tragfähig), Nick (über der Oberlippe unterhalb des Augenbereiches auf der Wange – gefährlich, da der Trigeminusnerv geschädigt werden kann)

Medusa

Hierbei handelt es sich um ein Labret oberhalb und mittig der Lippe durch das Philtrum (vertikale Rinne zwischen Lippe und Nase). Auch dieses wurde bereits traditionell getragen. Das Stechen ist sehr schmerzhaft, da am Philtrum viele Nervenenden verlaufen. Getragen wird es mit einem Labret-Stecker.

Madonna

Diese Variation wird auch als Monroe oder Chrome Crawford bezeichnet. Der Name geht auf diese drei Persönlichkeiten zurück, da sie an der Stelle dieses Piercings einen Schönheitsfleck besitzen. Es entstand in den 90er Jahren und hat bekannte Träger, z.B. Amy Winehouse. Ein indigenes Volk Brasiliens trägt an dieser Stelle dicke Stifte, die dann neben der Nase heraustreten. Das Piercing wird seitlich über der Oberlippe gestochen und mit einem Labret-Stecker verziert. Da es durch Muskelgewebe verläuft, kommt es nach dem Piercen zu einer deutlichen Schwellung.

Eskimo

Das ist ein vertikales Labret, bei dem der Stichkanal unterhalb der Lippe beginnt und auf dem Lippenrot austritt. Dabei wird üblicherweise ein Curved Barbell eingesetzt. Der Zahnapparat kann nicht beschädigt werden, jedoch besteht die Gefahr des Einreißens der Lippe. Die Heilungsdauer beträgt 1 Monat. Ein ähnlicher Effekt kann erzielt werden, indem bei einem Labret ein anliegender Curved Barbell getragen wird.

Variationen: Jestrum (liegt auf dem Lippenrot und tritt aus dem Philtrum heraus), Ashley oder Racoon (geht von außen nach innen durch das Lippenrot; mit einem Curved Barbell ist bei geschlossenem Mund nur die Kugel auf der Lippe sichtbar), Lane (waagerecht im Lippenrot der Unterlippe)

Exkurs: Bites
Mehrere Piercings im Lippenbereich heißen Bites (deutsch: Bisse). Diese gibt es in verschiedenen Variationen.

  • Angelbites/Whiskers: je 1 symmetrisch auf beiden Seiten der Oberlippe
  • Cyberbites: Kombination aus Medusa und zentralem Labret in der Unterlippe
  • Spiderbites: 2 nebeneinander auf einer Seite der Unterlippe
  • Viperbites: siehe Spiderbites, aber mit größerem Abstand
  • Snakebites: 2 symmetrisch verteilte Labrets auf beiden Seiten der Unterlippe
  • Caninebites: 4 als Kombination aus Angel- und Snakebites
  • T-Rex-Bites: 3 symmetrisch auf beide Seiten der Unterlippe verteilte Labrets
  • Sharkbites: 4 Labrets, 2 links und 2 rechts

Cheek

Hierbei handelt es sich um ein Wangenpiercing. Es wird auch als Dimple bezeichnet, da es an der Stelle von Grübchen (englisch: dimple) gestochen wird. Traditionell wird es bei Festivals in Asien gestochen, damit die Mönche in Trance verfallen und sich Gegenstände mit großen Durchmessern einsetzen können. Die Heilung dauert 6 bis 8 Wochen und als Schmuck dient ein Labret-Stecker mit 1,6 mm. Es ist eine nicht ungefährliche Variante, da hier viele Nervenbahnen verlaufen – es kann zu Beeinträchtigungen der Mimik und Taubheitsgefühlen führen. Daher empfiehlt sich hier der Gang in ein erfahrenes Piercingstudio.

Zunge

Das Durchstechen der Zunge ohne das Tragen von Schmuck gibt es religiös und traditionell schon seit dem 16. Jahrhundert. Das Ritual diente als Opfergabe oder innere Reinigung. Ähnlich wie die Wange wird auch die Zunge anlässlich von Festivals bei Prozessionen mit Schwertern oder anderen großen Gegenständen durchstochen. Zur Popularisierung des Zungenpiercings trugen der Sänger von The Prodigy und Mel B. von den Spice Girls bei. Als Schmuck wird ein Barbell verwendet – dabei hat dieser anfangs Überlänge, da die Zunge stark anschwillt. Die Heilungsdauer beträgt 3 bis 6 Wochen. Da das Essen an den ersten Tagen schmerzhaft ist, sollte man breiartige oder flüssige Nahrung zu sich nehmen und nach dem Essen den Mund ausspülen. Übrigens kommt diese Piercingart auch in der Forschung zum Einsatz: Da die Zunge bei Querschnittsgelähmten häufig der einzige funktionierende Muskel ist, haben Ingenieure an einem Zungenpiercing/Implantat eine Fernsteuerung befestigt, um damit Bewegungen zu steuern.

Variationen: Tongue Rim oder Edge Of Tongue (Piercing in der Zungenspitze mit einem Ball Closure Ring), Venom (mehrere Piercings symmetrisch angeordnet hinter- oder nebeneinander), Dehnung, Piercing an der Seite der Zunge, horizontal durch die Zunge

Uvula

Hierbei handelt es sich um ein Piercing im Gaumenzäpfchen. Es ist sehr selten und wird von vielen Piercern abgelehnt. Benötigt wird eine um 90 Grad gebogene Nadel; der Würgreflex erschwert das Stechen zusätzlich. Der Heilungsprozess verläuft aufgrund der Schleimhäute unkompliziert und dauert 1 bis 2 Monate, jedoch besteht die Gefahr des Herauswachsens, wobei dann das Zäpfchen zerteilt wird. Auch bei Oralverkehr kann es zu Komplikationen kommen. Als Schmuck kommt ein Ball Closure Ring mit geringer Materialstärke zum Einsatz.

Mandible

Diese Variation befindet sich in der Unterkieferpartie und wird auch Sprung oder Deep Oral genannt. Das Piercing sitzt vertikal im Mundraum unter der Zunge und tritt unterhalb des Kinnes heraus. Auch dieses wird von vielen Piercingstudios abgelehnt. Eingesetzt wird ein Barbell, der anfangs (Die Heilungsdauer beträgt 2 Monate bis ein Jahr!) Übergröße hat.

Lippenbändchen

Es wird aufgrund seiner Position auch als Frenulum (dieses verbindet die Oberlippe mit dem Zahnfleisch) oder Smiley (Sichtbarkeit des Piercingschmuckes nur beim Lächeln) bezeichnet. Es kann auch in dem Bändchen der Unterlippe platziert werden. Wegen des Schleimhautgewebes verheilt es nach nur 2 bis 3 Wochen und entzündet sich nicht. Risiken gibt es keine, denn selbst wenn das Lippenbändchen beim Stechen einreißt, wächst es danach wieder zusammen. Verwendet wird ein Ball Closure Ring (1,2 mm bis 1,6 mm), für den es spezielle Klemmkugeln gibt, die an einer Seite flach sind. Bei dem Einsatz eines Barbells ist das Piercing zwar nicht sichtbar, jedoch kann eine Schädigung der Zahnsubstanz vermieden werden.

Zungenbändchen

Das ist die Stelle, an der der untere Teil der Zunge mit dem Boden der Mundhöhle verwächst. Die Durchführung hängt von der Anatomie des Gepiercten ab, geschieht dann aber unkompliziert. Der Heilungsprozess dauert 1 bis 2 Monate; auch hier sollte auf Zigaretten, Alkohol und Oralverkehr verzichtet werden, zudem empfiehlt sich eine gute Zahnhygiene. Es wird kleiner Schmuck in Form eines Barbells oder Ball Closure Rings verwendet, da das Gewebe keine große Fläche bietet und so Schädigungen des Mundraumes vermieden werden können.

Informationen zum Lippenpiercing

Ein Lippenpiercing, Labret-Piercing genannt, wird meist zentral oder versetzt in der Unterlippe getragen. Das Lippenpiercing ist ein Piercing, dass in der Regel in 3 – 5 Wochen abheilt. Die Labret-Stecker sind in unterschiedlichen Längen und meist mit einem Materialdurchmesser von 1,2 oder 1,6 Millimetern erhältlich. Bei dem Ersteinsatz in ein neu gestochenes Piercing werden meistens vorübergehend Stecker mit Überlängen verwendet, da es am Anfang in der Regel zu Schwellung der Lippe kommt. Besonders geeignet sind bei modernen Labret-Piercings vor allem spezielle Labret-Stecker. Diese besitzen eine kl. Platte auf der einen Seite und ein Gewinde zum Schrauben, z. B. einer Verschlusskugel am anderen Ende. (verschiedene Schmuckobjekte sind möglich). Häufig wird auch ein Ball Closure Ring oder ein Circular Barbell (engl.: Hufeisen) eingesetzt. Bei letzterem liegen die Verschlusskugeln des Schmucks am einen Ende außen am Stichkanal an und am anderen Ende auf dem Lippenrot. Mit diesem Piercing zieht man besonders die Blicke auf sich.